Gebet

Tag 57 - Eine Zeit der Herzensprüfung!

Tag 57 - Eine Zeit der Herzensprüfung!

22. Mai 2020 | Kategorie: FiD

"Erforsche mich, Gott, und erkenne mein Herz; prüfe mich und erkenne, wie ich's meine. 24 Und sieh, ob ich auf bösem Wege bin, und leite mich auf ewigem Wege." (Psalm 139:23+24) 

ANDACHT VON MARK FINLEY
Vor Jahren, am Anfang meines Predigtdienstes, wurde ich einmal eingeladen, an einer christlichen Grundschule eine „Woche der geistlichen Akzentsetzung“ durchzuführen. Im Verlauf der Woche wurde es für mich offensichtlich, dass zwei der Lehrer miteinander in einem ernsten Konflikt standen. Ihre negativen Einstellungen gegeneinander kochten jedes Mal hoch, wenn eine Versammlung des Personals stattfand. Wenn einer von beiden einen bestimmten Vorschlag machte, dann stellte sich der andere grundsätzlich dagegen. Wenn beide gleichzeitig in einem Treffen anwesend waren, lag regelrechte Spannung in der Luft. Es war unübersehbar, dass sie einander absolut nicht mochten.
Gegen Ende der Woche hielt ich eine Predigt über das wunderbare Fürbitte-Gebet Christi aus Johannes 17. Jesus stand kurz vor dem Zeitpunkt, wo er Seine Jünger würde verlassen müssen. Schon bald würde der Verrat an Ihm stattfinden und Er würde gekreuzigt werden. Er würde wieder aus dem Grab auferstehen und zu Seinem Vater auffahren. Sein ernstes Gebet spiegelt die Gedanken wider, die Ihm auf dem Herzen lagen. Es offenbart, was Ihn kurz vor seinem Tod am Kreuz innerlich bewegte. Der Erlöser war besorgt um die Einheit der Gemeinde. Er betete: „Auf dass sie alle eins seien, gleichwie du, Vater, in mir und ich in dir; auf dass auch sie in uns eins seien, damit die Welt glaube, dass du mich gesandt hast.“ (Johannes 17,21) Christus sehnte sich danach, dass die Uneinigkeit, die Eifersucht, das Streben nach Vorrangstellung und die Auseinandersetzungen zwischen Seinen Jüngern ein Ende nehmen würden. Er betete, dass ihre Einheit untereinander, ungeachtet all ihrer Verschiedenheiten, der Welt die Macht Seiner Liebe offenbaren würde.

Als ich zu diesen Schülern und Lehrern über die Sehnsucht des Herzens Jesu sprach, geschah etwas Bemerkenswertes. Für den letzten Abend unserer „Woche der geistlichen Akzentsetzung“ hatten wir einen Abendmahls-Gottesdienst einschließlich Fußwaschung geplant. Der Heilige Geist hatte sich Seinen Weg gebahnt. Gott bewegte in machtvoller Weise die Herzen. Die beiden Lehrer, die sonst immer eine solche gegenseitige Ablehnung praktiziert hatten, knieten einander zu Füßen. Der Geist Gottes hatte die Schranken durchbrochen. Sie umarmten sich, legten ein Geständnis über ihre negativen Grundhaltungen ab und beteten gemeinsam.

Genau dieselbe liebevolle Reue und demütige Unterwerfung erlebten die Jünger während ihrer 10 Tage im Obergemach, die vor dem Pfingstereignis stattfanden. Während dieser zehn Tage bekannten die Jünger einander ihre kleinkarierten Streitigkeiten. Sie bereuten ihre Eifersucht und ihren Stolz. Und ihre Herzen wurden erfüllt mit der Liebe zu Christus, der für sie Sein Alles gegeben hatte. Wie sehr wünschten sie sich, dass sie die vergangenen dreieinhalb Jahre noch einmal neu durchleben könnten.

Hast du schon jemals dieselben Empfindungen gehabt? Hast du dir jemals gewünscht, dass du die Zeit zurückdrehen und die Fehler deiner Vergangenheit korrigieren könntest?

Wenn wir Gottes zärtliche Liebe und Güte sehen und die Gerechtigkeit Seines Charakters betrachten, wird uns unsere eigene Schwäche bewusst sowie unsere Unzulänglichkeiten und Sünden. In dem hell glühenden Licht Seiner bedingungslosen Liebe und Vollkommenheit werden unsere Herzen in Demut gebeugt. Wir werden zu einem tiefgehenden Geständnis unserer Sünden und zur Buße gebracht. Unser Schrei dringt nach oben zu Ihm – der Ruf nach Erlösung und Rechtfertigung, die nur Er uns verleihen kann. Wenn wir überwältigt sind von Seiner Heiligkeit, dann werden wir laut rufen, genau wie der Prophet Jesaja: „Wehe mir, denn ich bin verloren!“ (Jesaja 6,5) Selbstprüfung ist vielleicht nicht immer die angenehmste Erfahrung, aber sie ist absolut notwendig. Bei der Erforschung unseres eigenen Ichs bitten wir Gott: „Gibt es irgendetwas in meinem Leben, das nicht in Übereinstimmung ist mit Deinem Willen?“ Und wir beten: „Herr, offenbare mir die Gesinnungen tief in meiner Seele, die nicht Jesu Haltung entsprechen.“

Gottes Ziel in diesem Prozess ist es, uns näher zu Ihm zu führen. Er möchte nicht, dass wir uns in Schuldgefühlen suhlen oder von Gewissensbissen über unser vergangenes Leben völlig übermannt werden. Sondern Sein Ziel ist es, uns „auf dem ewigen Weg zu leiten“. Obwohl es gesund ist, einen unvoreingenommenen Blick auf unser eigenes geistliches Leben zu werfen, ist es der Gesundheit abträglich, längere Zeit gedanklich auf der Schuld unseres vergangenen Lebens zu verweilen. Ständig über unser Versagen nachzudenken und unser Augenmerk zu lange auf unsere Fehler zu richten, bringt uns nur Entmutigung.

Denke immer daran, unser Gott ist größer als unsere Fehler und stärker als unser Versagen. Natürlich ist eine ehrliche Erkenntnis über unseren Zustand für uns erforderlich – aber es ist viel wichtiger, dass uns Seine Gnade bewusst ist. Eine Erkenntnis über unsere Schwäche zu haben, macht uns bereit, Seine Stärke zu empfangen. Die Erkenntnis unserer Sündhaftigkeit bereitet uns darauf vor, Seine Gerechtigkeit zu empfangen. Und die Erkenntnis über die Größe unserer Unwissenheit bereitet uns für die Empfängnis Seiner Weisheit vor. Vom Heiligen Geist überführt zu werden hat das Ziel, uns zu Jesus zu führen. Wenn wir unsere Sünden und Fehler durch einen Prozess der Selbsterforschung erkennen, dürfen wir Gott dafür danken, dass der Heilige Geist uns näher zu Jesus führt und als Folge davon auch näher zueinander führt. Die überführende, uns für schuldig erklärende Macht des Heiligen Geistes bereitet uns darauf vor, die Fülle des Geistes in der machtvollen Ausgießung des Spätregens zu empfangen. Aber bevor Gott uns formt, muss Er uns zerbrechen. Bevor Er uns erfüllt, muss er uns entleeren. Bevor Er in unseren Herzen inthronisiert wird, muss unser Ich vom Thron gestoßen werden.

Mark Finley ist persönlicher Berater des Präsidenten der Generalkonferenz.

HERZENS-FRAGEN:
Wo ist dein Herz heute? Hast du die süße Gabe der Buße erfahren? Wenn ja, unterscheidet sich dein Leben von dem, was es vorher war? Bist du gekommen, um Gottes Gnade auf eine neue Weise zu erfahren? Hast du gelernt, diese Gnade auf andere auszudehnen?  

HERZENSAUFRUF ZU AKTIVEM HANDELN:
Bitte  Gott, die Dinge in deinem Leben zu offenbaren, die deine Zeit und Aufmerksamkeit in Anspruch nehmen und/oder deine Zuneigung zu Jesus ablenken könnten. Wenn du Jesaja 58,1-2 und 1 Johannes 1,9 betrachtest, bete und bitte Gott, dass er dir alle geistlichen Brüche in deinem Leben offenbart. Bete, dass er sie beseitigt und für eine tiefere Füllung mit dem Heiligen Geist sorgt.

ELLEN G. WHITE: "Wahre Buße schließt aufrichtige Traurigkeit über unsere Sünden und Abkehr von ihnen ein. Wir werden sie nicht ablegen, bis wir ihre Sündhaftigkeit erkannt haben. Eine wirkliche Veränderung in unserm Leben wird erst dann eintreten, wenn wir von Herzen der Sünde abgesagt haben. Viele mißverstehen die wahre Bedeutung der Buße. Sie sind traurig über ihre Sünden, ja, sie bekehren sich äußerlich, weil sie sich vor den Leiden fürchten, die ihre Missetaten über sie bringen. Das ist keine Buße im Sinne des Wortes Gottes ... [Das war der Fall bei Esau, Bileam, Judas Ischariot und sogar dem Pharao. Im Gegensatz dazu] ... sah David das Ungeheure seiner Übertretung; er erkannte seine innere Befleckung; er fühlte tiefen Abscheu vor seiner Sünde. Er bat nicht allein um Vergebung, sondern auch um Reinheit des Herzens.." (Der Weg zu Christus, S. 14+15)

Zur weiteren Vertiefung schlagen wir für diese Woche folgende Literatur vor:

- Ellen White, Schritte zu Christus, Kap. 3 "Buße".
- Mark Finley, 10 DAYS IN THE UPPER ROOM

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